Lean Learning: Weiterbildung just in time

Lean Learning als neue Herausforderung der Weiterbildung

Zielkennzahlen sind allgegenwärtig und Prozessoptimierung stellt nach wie vor eine zentrale Herausforderung für die Unternehmen dar. Auch die betriebliche Weiterbildung ist von der Notwendigkeit einer kontinuierlichen Weiterentwicklung betroffen, wobei im Personalwesen ständig nach neuen, effizienten Weiterbildungskonzepten gesucht wird.

Seit einigen Jahren finden industrielle Ansätze auch vermehrt im Dienstleistungsbereich Anwendung: angefangen von der 5S-Arbeitsgestaltung über Lean Management bis hin zum Demingkreis, viele Methoden kommen inzwischen nicht nur in der Produktion zum Einsatz. Lean Learning seinerseits ist demnach nur die logische Konsequenz dieser Entwicklung.

Der Ausdruck Lean lässt sich nur schwer mit wenigen Worten beschreiben, aber einige Schlüsselelemente finden sich in allen gängigen Definitionen wieder. Es geht darum, maximalen Mehrwert mit so wenig wie möglich Kosten und unter optimalem Ressourceneinsatz zu generieren. In der betrieblichen Weiterbildung besteht der Grundgedanke also darin, einen möglichst hohen Lerneffekt durch die direkte Anwendung des Gelernten zu erreichen. Lean Learning lässt sich folglich als „auf die individuellen Arbeitsanforderungen zugeschnittener Zugang zu Weiterbildungsmöglichkeiten in Echtzeit“ definieren. Neu daran ist, dass Weiterbildung nicht mehr im Voraus geplant, sondern zum Zeitpunkt der Bedarfsentstehung in Anspruch genommen wird.

Das Personalwesen muss dem einzelnen Mitarbeiter somit Mittel und Wege zur Verfügung stellen, die einen Zugang „just in time“ zur Weiterbildung ermöglichen. Diese gibt es mitunter bereits, werden aber in den Unternehmen noch nicht in vollem Umfang genutzt.

Für die Suche nach Definitionen oder Erklärungen sollte beispielsweise unternehmensweit Zugang zu einer interaktiven Bibliothek bestehen. Um ein Problem beim Umgang mit technischen Geräten zu lösen, sollte ein Lehrvideo oder der Einsatz von Virtual Reality die Funktionsweise Schritt für Schritt erklären. Im Falle fehlender Elemente zur Analyse von Dokumenten sollte ein themenorientierter MOOC weiterhelfen. Für den direkten Austausch mit Kollegen sollte Scribing zum Visualisieren und Verinnerlichen genutzt werden.

Mit Hilfe des Lean Learning und der Vielzahl verfügbarer Tools steigt die Motivation der Mitarbeiter, die nunmehr in direktem Zusammenhang mit ihrer Arbeit lernen, ihre Weiterbildung selbst in die Hand nehmen und eine Lernstrategie just in time entwickeln. Lernziele können selbstständig definiert und deren erfolgreiches Erreichen live überprüft werden.

Bei Lean Learning handelt es sich als um eine „Verfeinerung“ der betrieblichen Weiterbildung, die auf die direkte Verbindung von Know-how und Unternehmensaktivität abzielt. Dem Personalmanagement obliegt es, die dafür notwendigen Strukturen zu schaffen. Es geht um die Ergänzung klassischer Lernmethoden um situationsgerechte Modelle der Weiterbildung.

Nicht der Lernende „geht“ auf Weiterbildung, sondern sie kommt zu ihm! Diese neue Flexibilität bietet ein enormes Potenzial, unabhängig von Organisationsstruktur oder -größe.

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